Spielzeug

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Spiel|zeug ['ʃpi:lts̮ɔy̮k], das; -[e]s, -e:
a) <ohne Plural> zum Spielen verwendete Gegenstände:
das Spielzeug aufräumen.
Zus.: Holzspielzeug.
b) einzelner zum Spielen verwendeter Gegenstand:
die Puppe, der Teddy, die Eisenbahn ist ihr liebstes Spielzeug; dem Kind zum Geburtstag ein Spielzeug kaufen; lass das Mikroskop, das ist kein Spielzeug!

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Spiel|zeug 〈n. 11
1. Gegenstand zum Spielen für Kinder, Spielsachen
2. 〈fig.〉 Mensch, der einem andern nur als Zeitvertreib dient
● der Junge hat schon so viel, hat zu viel \Spielzeug; lass den Apparat stehen, er ist kein \Spielzeug; sie ist für ihn nur ein \Spielzeug 〈fig.〉

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Spiel|zeug , das:
a) <o. Pl.> Gesamtheit von Spielzeugen (b):
schönes, pädagogisch wertvolles S.;
S. aus Holz;
überall lag S. herum;
sein S. wegräumen;
b) Gegenstand zum Spielen für Kinder:
ihr liebstes S. ist der Teddy;
lass das Mikroskop, das ist kein S.!;
Ü sie ist für ihn nur ein S.

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Spielzeug,
 
im weiteren Sinn jeder Gegenstand und alle Materialien, die Kinder, Jugendliche oder auch Erwachsene zum Spielen veranlassen, im engeren Sinn ein speziell für Kinder oder Jugendliche (auch von ihnen selbst) hergestellter Gegenstand, der den eigentlichen Zweck hat, Spielen auszulösen und Spielimpulse zu geben. Spielzeug für Kinder und Erwachsene ist bereits in den frühesten Kulturen nachweisbar, was auf die fundamentale Bedeutung von Spiel und Spielzeug weist. Spielzeug ist für das Kind ein Mittel, den Umgang mit Dingen und dem eigenen Körper zu üben, die Dinge zu begreifen, sich selbst und seine Beziehungen zu Mitmenschen zu verstehen, sich in seiner realen Umwelt zu orientieren und die »Welt« zu ergreifen. Spielzeug fordert oft zu bestimmten Handlungen heraus. Es gibt Spielzeug, das körperliche Bewegung anregt (z. B. Bälle), Spielzeug, mit dem vom Kind beobachtete Sachverhalte abgebildet, spezifische Beziehungen des Kindes zu anderen Personen nachvollzogen (z. B. Puppe), emotionale Wünsche erfüllt (z. B. Teddybär) oder Natur und Technik kennen gelernt werden. Spielzeug suggeriert immer auch ein Weltbild, weshalb Kriegsspielzeug z. B. sehr umstritten ist, und spiegelt viele Phänomene der Gesellschaft. Heute muss es oft Erfahrungen mit wirklichen Dingen und einem breiten Umfeld und Natur ersetzen und nimmt vielfach auf die bereitgestellten Angebote der Medien Bezug. Ein großer Teil des Spielzeugs ist heute Massen- und Konsumartikel (Spielwaren).
 
Nach F. J. Buytendijk und J. Piaget beginnen im 1. Lebensjahr motorische Erfahrungen vermittelnde »Spiele mit etwas« (Übungsspiele). Das erste Spielzeug können die eigenen Zehen sein, ein pendelnder Ball, ein Tuch. Ab dem 3. Lebensjahr kommen sprachlich expressive »Spiele als etwas« (Symbolspiele) hinzu. Beide werden vom 7. Lebensjahr an durch »Spiele um etwas« (Regelspiele, z. B. Brettspiele) ergänzt, in denen Normen, Systeme und Strategien erfahren und erprobt werden. Das geschieht durch unterschiedliche Spielarten, mit und ohne Spielzeug, allein oder in der Gruppe.
 
Nach Art und Verwendung kann das Spielzeug eingeteilt werden in Babyspielzeug (Rassel, Greifspielzeug, Schwimmtiere u. a.), Spielzeug zum Bewegen im Raum (Ball, Nachziehspielzeug, Dreirad, Springseil u. a.), Spielzeug zum Liebhaben (Stofftiere, Puppen u. a.), Spielzeug für Rollenspiele (Puppenstube, Kasperle- und Marionettentheater, zum Verkleiden geeignete Kleidungsstücke u. a.), Spielzeug zum Gestalten, Konstruieren, Forschen und Werken (Sand und Wasser, Knetmaterial, Papier, Baukästen, Modelleisenbahn u. a. technisches Spielzeug). Wegweisend waren das im Rahmen der Kleinkindpädagogik von F. Fröbel entwickelte System von »Spielgaben«, das von Ball (Kugel) und Würfel ausgeht und auf Weckung der Fantasie und Gestaltungskraft zielt, und das von Maria Montessori entwickelte differenzierte Arbeitsmaterial zur Sinnesschulung, das zur Strukturierung der Dingwelt hinführt.
 
 
Spielzeug ist bereits aus vorgeschichtlicher Zeit bekannt, so z. B. für Kinder kleine Tontiere und Rasseln aus Bronze oder Ton. Im alten Ägypten und im antiken Griechenland kannte man Gliederpuppen aus Holz, Ton, Knochen und Gips, kleine Wagen, Reifen und Bälle. Im alten Rom gab es vollständige Puppenmöbelgarnituren. Aus dem Mittelalter ist nur wenig Kinderspielzeug überliefert, v. a. aus glasiertem Ton. Grafik und Tafelbilder der Spätgotik zeigen Steckenpferde, Windräder, starre und bewegliche Puppen, Ritterspiele, Kreisel und Würfel. Holz- und Tontiere waren auf dem Lande bis in die Neuzeit das übliche Spielzeug für Kinder.
 
Die Ausbildung eines Spielzeuggewerbes mit ausgedehnter Fabrikation und weltweitem Handel seit dem 15. Jahrhundert ließ die heutige Variationsbreite des Spielzeugs entstehen. Der deutschsprachige Raum nahm hierbei die führende Stellung in Europa ein. An Zahl und Bedeutung stand Spielzeug aus Holz an erster Stelle. Nach dem Dreißigjährigen Krieg entwickelten sich zwei getrennte Erzeugungsbereiche: Bauern und ländliche Bildschnitzer mit ihrer Hausindustrie in den ländlichen Gebieten und die zünftigen Handwerker und städtischen Künstler. Bis ins 19. Jahrhundert scheinen Nürnberger Spielwaren (»Nürnberger Tand«; Tonfigürchen seit dem 14. Jahrhundert, »Dockenbauer«, d. h. Puppenhersteller seit dem 15. Jahrhundert) eine unbestrittene Führungsposition innegehabt zu haben; noch heute findet in Nürnberg die Internationale Spielwarenmesse statt. In den ländlichen Gebieten wurde die Spielzeugherstellung - in Anknüpfung an eine bereits vorhandene (Freizeit-)Schnitztradition - meist aus der Not geboren, entweder eine zusätzliche Einnahmequelle zu haben oder einen Ersatz für verlorene Tätigkeiten, z. B. im Bergbau, zu finden (z. B. Grödner Tal, Erzgebirge). Herstellungszentren waren auch Frankfurt am Main, Ulm und Augsburg (Bilderbogen, Puppenhäuser).
 
In den Genuss teuren, einzelgefertigten Spielzeugs kamen nur Kinder reicher Familien: Puppenstuben und -häuser (Puppe), zum Teil auch Zinnfiguren und -soldaten u. a. (besonders im 18./19. Jahrhundert). Die um jene Zeit aufgekommenen Automaten waren zunächst mehr Spielzeuge für Erwachsene, also Kuriositäten für Kunst- und Wunderkammern, Schausteller u. a.; erst im 19. Jahrhundert kam das eigentliche mechanische Spielzeug für Kinder auf, das durch Federwerk, Dampf oder Elektrizität angetrieben wird (Eisenbahnen, Dampfer, Kräne). - Für figürliche Massenware wurde der Ton als Werkstoff schon früh durch geeignetere Materialien, z. B. Papiermaché und Hartgussmassen verschiedener Art abgelöst. Seit dem 18. Jahrhundert gewann das Papier (meist in der festeren Form der Pappe) größere Bedeutung: Bilderbögen zum Ausschneiden lieferten Modekleidung für zweidimensionale Figuren sowie alle Elemente für das im 19. Jahrhundert in bürgerlichen Kreisen sehr beliebte Papiertheater. Von etwa 1850 an, in größeren Serien etwa ab 1900, wurde bis in die 1960er-Jahre Blechspielzeug hergestellt. Zentren waren in Deutschland v. a. in Nürnberg, Brandenburg, Göppingen; es ist zu einem begehrten Sammlerobjekt geworden. Inzwischen stellt Kunststoff das am meisten verwendete Material dar. Die moderne internationale Spielwarenindustrie hat das klassische Angebot von Puppen, Teddys, Plüsch- und Kunststofffiguren, Maschinen, Autos und anderem mechanischem Spielzeug u. a. durch Experimentierkästen, optisches Spielzeug, Computer- und Videospiele vergrößert. - Spielzeugmuseen bestehen u. a. in Michelstadt, Nürnberg, Seiffen/Erzgebirge und Sonneberg.
 
 
V. Kutschera: S. Spiegelbild der Kulturgesch. (1983);
 H. Hahn: Vom Ernst des Spielens. Eine zeitgemäße Betrachtung über S. u. Spiel (41988);
 E. Kazemi-Veisari: Zur gesellschaftl. u. pädagog. Funktion von Spielwaren in der Gegenwart (21989);
 H. Retter: S. Hb. zur Gesch. u. Pädagogik der Spielmittel (Neuausg. 1989);
 J. Fritz: Spielzeugwelten. Eine Einf. in die Pädagogik der Spielmittel (21992);
 
Gutes S. von A bis Z, Beitrr. v. H. H. Blencke u. a. (Neuausg. 241995);
 I. Weber-Kellermann: Die Kindheit. Eine Kulturgesch. (Neuausg. 1997).

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Spiel|zeug, das: a) <o. Pl.> Gesamtheit von Spielzeugen (b): gutes, schönes, pädagogisch wertvolles S.; S. aus Holz; überall lag S. herum; sein S. wegräumen; b) Gegenstand zum Spielen für Kinder: ihr liebstes S. ist der Teddy; lass das Mikroskop, das ist kein S.!; einem Kind ein neues S. schenken; Ü der Computer ist Vaters liebstes S.; Liebte er sie? Sie war nur sein S. (er spielte nur mit ihr; Express 6. 10. 68, 22).

Universal-Lexikon. 2012.

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